Die treibende Kraft der „nestwärme“
Frau mit Herz für kranke Kinder: Petra Moske, Gründerin und schillernde Figur des Vereins „nestwärme e.V. Deutschland“
Ist es die temperamentvolle, fröhliche Art des Erzählens? Ist es ihr Mut, Emotionen zuzulassen und auch öffentlich Tränen zu vergießen – sei es aus Mitgefühl oder aus purer Freude? Oder ist es einfach „nur“ die gute Sache, für die sie steht und kämpft? Ganz gleich. Wer mit Petra Moske ins Gespräch kommt, fängt augenblicklich Feuer für ihr Herzensanliegen: Kranke und schwerstbehinderte Kinder und deren Familien brauchen Nestwärme. Dafür lebt und arbeitet die Gründerin des Vereins „nestwärme e.V. Deutschland“, dafür geht sie notfalls auch Klinken putzen, schließlich wollen Spender, Sponsoren, Helfer, Politiker und Wirtschaftsbosse gewonnen werden. Ohne deren Engagement blieben viele Familien trotz akuter Notlage im Regen stehen.
Die 41-Jährige aus Trier-Pfalzel hat sich ihren großen Traum erfüllt, als sie mit engagierten Mitstreitern vor sieben Jahren den Verein in Trier gründete, um Familien in Not Zeit und Wärme zu schenken. Der Erfolg ist zählbar: Der bundesweit agierende Verein hat bisher 10 500 Familien mit chronisch kranken und behinderten Kindern beigestanden. Ganz gleich, ob nun der Intensivpflegedienst für Kinder gefragt ist, Eltern freie Zeit geschenkt wird, oder aber Beratung und Zuschüsse für Heil- und Hilfsmittel die Not lindern helfen, „nestwärme e.V. Deutschland“ findet Mittel und Wege. Und wenn in Sri Lanka Kinder leiden, weil der Tsunami sie zu Waisen gemacht hat, fackelt die „nestwärme“-Frontfrau nicht lange und organisiert unbürokratische Hilfe.
Das Rüstzeug, als Sozialmanagerin ihre Frau zu stehen, sammelte sie während „langer“ Wander- und Lehrjahre. „Ich war nie jemand, der schon mit acht, neun Jahren weiß, was er werden will“, sagt sie. Au-pair in Spanien, Job in einer Spielothek, Lehre als Hauswirtschafterin, Lehre als Bürokauffrau, Arbeitsstelle im EDV-Unternehmen ihrer Eltern – die Liste ist lang. 1990 schließlich kam sie zu den Johannitern nach Trier und lernte die Sozial- und Gesundheitsbranche kennen. „Ziel unseres Teams war, soziale Dienste aufzubauen.“ Alles habe sich um die Fragen gedreht: Wo sind Lücken? Welche Form der Hilfe ist noch nicht abgedeckt? Als eine Mitarbeiterin in der Sozialstation ein behindertes Kind bekam, lag die Antwort auf der Hand: Wir brauchen eine ambulante Kinderkrankenpflege. Moske: „Wir haben bei Null angefangen.“ Öffentliche Unterstützung gab es, gleichzeitig litt man unter dem Druck des Dachverbandes, kostendeckend arbeiten zu müssen. „Geduld ist nicht unbedingt meine Stärke. Und wenn man dann die Kraft vergeudet, um im eigenen Haus Überzeugungsarbeit zu leisten, dann ist man schon hilflos“, erzählt die Sozialmanagerin. Der Stein kam ins Rollen, als eine Familie mit schwerkrankem Sohn sofortige Hilfe brauchte. „Wir standen mit dem Rücken zur Wand, denn unser Budget war aufgebraucht.“ Petra Moske und ihre Kolleginnen schalteten das ZDF ein, die Kinderkommission des deutschen Bundestages und das Land Rheinland-Pfalz. „Wir haben eine Lawine losgetreten, der Rummel um uns war groß, der Verdruss im eigenen Haus ebenso“, erzählt sie. So reifte der Gedanke, etwas Eigenes aus der Taufe zu heben – wenig später war die „nestwärme“ geboren. Es begann eine turbulente Zeit für die streitbare Frau, die nebenher noch ihr BWL-Diplom machte: Das Tischtuch mit dem alten Arbeitgeber war zerschnitten, die Trennung nur eine Frage der Zeit, im Verein gab es Streit wegen der Satzung und der Buchhaltung.
Doch längst hat der Verein seine Kinderkrankheiten kuriert, Petra Moske und der harte Kern aus den Anfangsjahren sind mittlerweile selbstständig, haben eine eigene Pflegedienst GmbH gegründet und sind landesweit anerkannte Fachberatungsstelle. Neu ist auch die Krabbelgruppe, in der schwerstbehinderte und gesunde Kinder aufgenommen werden.
Im Rückblick betrachtet Petra Moske die schwierigen Anfangsjahre als heilsamen Schock: „Natürlich feiern wir unsere Erfolge, die genieße ich mit meinen Kolleginnen. Aber immer mit dem Wissen: Auf Sonne folgt Dunkelheit.“ Diese Erkenntnis helfe dabei, die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Und auch wenn es manchmal ganz bitter kam, den Spaß am Leben vermochte ihr noch niemand zu nehmen. Petra Moske genießt es, im Urlaub Thriller und Zeitschriften zu lesen, mit dem Hund raus in die Natur zu kommen oder Musik zu hören. „Tanzen, das ist meine große Leidenschaft. Zum 40. Geburtstag habe ich die ganze Nacht durchgetanzt.“ Selbstverständlich ist die „nestwärme“ auch privat ein Thema. Ihr Mann und die elfjährige Tochter Leonie finden es gut, dass Petra Moske sich mit ganzem Herzen für die Nestwärme einsetzt. Die Philosophie wird in der Familie wie auch im „nestwärme“-Team gelebt. „Das ist ein Zusammenschluss ganz besonderer Menschen, denen Werte wie Mitmenschlichkeit wichtig sind.“ Petra Moske erwartet das auch, schließlich „heißt unser Verein ja nicht Nestkälte“.
Sich selber bezeichnet sie als „besondere, aber nicht fehlerfreie Figur“ der „nestwärme“. Viele Ziele habe sie noch vor Augen, vor allem aber: „Wir müssen den Kontakt zu denjenigen halten, für die wir antreten. Mein Antrieb ist der tiefe Respekt vor der Leistung der Eltern.“